Bild von unserem neuen Bundespräsidenten

Letztens sah ich in einer großen Berliner Zeitung ein Bild von unserem neuen Bundespräsidenten.

Bundespräsident Horst Köhler bei der Essenausgabe für Bedürftige in der Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo.

 

OK, das Essen stammte von der großen Tafel der Demokratie am Brandenburger Tor, wo am Vortag ausgewählte Berliner mit dem Bundespräsidenten zusammen speisen durften.

Zugegeben, erst Frank Zander gab den Anstoß für diese Aktion. Doch dann reagierte Herr Köhler sehr spontan, nachdem alle Sicherheitsfragen geklärt waren.

Deshalb sieht man auf dem Bild auch nur einen Bedürftigen, umringt von drei Herren in guten Anzügen und Sonnenbrille, der Sicherheit wegen.

Viel wichtiger ist aber ein Satz, den unser Bundespräsident, laut Pressemitteilung, sagte:

„Ich bin Präsident aller Menschen in Deutschland und auch Sie gehören dazu“.

Wou!!!! Endlich mal ein Politiker mit Volksnähe, einer zum anfassen und zum knuddeln, falls man an den Typen mit Sonnenbrille vorbeikommt.

Sorry Herr Köhler, aber ich frage mich, ob das alles nicht wieder leere Worte sind, die wir von unseren Politikern aller Parteien schon so oft gehört haben.

Doch jetzt mal Klartext.

Wenn ein Mann, der das höchste Amt in unserem Lande ausübt, einen Ort besucht, der in der Regel nur von gescheiterten Existenzen und süchtigen Menschen betreten wird; und dieser Mann gibt dann noch einen so bedeutenden Satz von sich, fragt man sich schon mit Recht: Wie ernst meint er das eigentlich?

Der soziale Abstieg geht in unserer Gesellschaft sehr schnell.

Die persönlichen Schicksale sind verschieden, aber meistens ist Alkoholmissbrauch der erste Schritt in dieser Richtung. Arbeitslosigkeit und Wohnungsverlust sind die Folgen. Leider ist es aber auch heute so, dass der Verlust des Arbeitsplatzes Grund genug ist, öfters zur Flasche zu greifen.

Bei vielen Jugendlichen ist es Perspektivlosigkeit.

Der Alkohol ist neben Nikotin die Volksdroge Nummer 1 in Deutschland.

Viele Alkoholiker wechseln zu härteren Drogen, und viele Junkies nutzen den Alkohol als Ersatzdroge. Ein teuflischer Kreislauf.

Das Drogenproblem ist für Politiker in Berlin aber schon lange kein Thema mehr. Insbesondere die Gefahr durch den übermäßigen Genuss von Alkohol wird verharmlost. Immer mehr soziale Einrichtungen, die versuchen Betroffenen zu helfen, müssen aus Kostengründen schließen oder qualifiziertes Personal entlassen.

Das soziale Netz, für das gerade Berlin bekannt war, wird immer löchriger. Entgiftungen in Krankenhäusern werden aus Kostengründen auf einen minimalen Zeitraum gekürzt. Langzeittherapien werden von Kostenträgern erst nach einer langen Bearbeitungszeit zähneknirschend bewilligt oder gar ganz abgelehnt.

Dabei weiß doch jeder, dass nur in einer gesunden Gesellschaft auch eine gesunde Wirtschaft existieren kann. Doch gesund ist unsere Gesellschaft schon lange nicht mehr.

Sicherlich ist Sparsamkeit zur Erhaltung unseres Sozialstaates notwendig. Aber man kann nicht dort sparen, wo die Not am größten ist.

Übrigens werde ich als aktiver Raucher oft auf der Arbeit und in meiner Freizeit von aktiven Nichtrauchern mitleidsvoll belächelt. Das Gleiche passiert mir aber auch, wenn ich höflich aber bestimmend zum Alkohol nein sage.

Was ist eigentlich schlimmer, Lungenkrebs oder Leberzhirrose?

Warum wird vor Alkohol nicht genauso gewarnt wie vor Nikotin?

Vielleicht kann uns Herr Köhler in einer seiner vielen Reden, die er halten wird, eine Antwort auf die vielen Fragen rund um die Drogenproblematik hier in Deutschland geben.

Vielleicht schafft er es endlich, dass Betroffenen, die ihr Leben neu ordnen wollen, die wieder ein vollständiges Mitglied in unserer Gesellschaft werden wollen und die ihre Arbeitskraft für den wirtschaftlichen Aufschwung in Ost und West zu Verfügung stellen, eine vernünftige Perspektive gezeigt wird.

Wenn er seinen Worten auch Taten folgen lässt, wird Herr Köhler wohl in jeder Suppenküche ein gern gesehener Gast sein.
Wenn nicht, sollte er seine Suppe mit seinesgleichen löffeln.

Als Präsident aller Menschen muss er seinen Job sehr gut machen….

Klaus D.

 

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Letzte Änderung:   Samstag, 13. Januar 2007

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