Was mich tierisch aufregt ...

Was mich tierisch aufregt...

ist nicht die Unwissenheit des so genannten normalen Menschen, also derer, die angeblich mit Alkohol keine Probleme haben. Solang ich glaube, Alkohol ist für mich kein Problem, solange mein Partner/in oder meinte Arbeitskollege/in damit kein Problem haben wüsste ich auch nicht, warum ich mich freiwillig mit so einem komplizierten Thema beschäftigen sollte. Zumal die Werbeindustrie und die allgemeine gesellschaftliche Meinung/Akzeptanz ein schönes und normales Leben mit Alkohol propagiert.

Was mich fassungslos und wütend macht ist die Tatsache, dass sich so genannte Fachleute eines Themas annehmen, von dem Sie offensichtlich wenig bis gar keine Ahnung haben, obwohl Sie gerade dafür (nämlich sich umfassend zu informieren, bevor sie ihre geistigen Ergüsse über die Menschheit verbreiten) bezahlt werden.

Entweder wissen es diese Leute nicht besser - schlimm schlimm, kannst Du Dir vorstellen einen Job zu machen, von dem Du nur den Grundlehrgang kennst ? - oder sie sind so Medien- und öffentlichkeitsgeil das sie sich nicht überlegen, was sie mit ihrem Gequatsche verursachen können.

So habe ich vor kurzem sehr gespannt einer Sendung auf mdr entgegengesehen, die sich mit dem Thema Gesundheit-Alkohol beschäftigen sollte/wollte. Die Sendung war die pure .Enttäuschung! Stellte die Moderatorin an einen anwesenden Arzt doch so intelligente Fragen “wie aus dem Glas Bier abends eine Sucht wird”. Auch wurde eine “Musterfamilie” gezeigt, die sich bei jeder erdenklichen Situation Alkohol einknallte, bis das Männe dann eben irgendwann umfiel. Hätte ich so gesoffen wie die Musterfamilie hätte ich mich mir gegenüber nicht irgendwann selbst als Alkoholiker offenbaren müssen, ich wäre viel früher entweder abgeholt und zwangseingewiesen worden oder einfach tot umgefallen.

Auch die Frage “ ist Alkoholismus vererbbar?” wurde mit einem klaren “das ist so 1 zu 1 nicht zu sagen” äußerst befriedigend beantwortet, zumindest hatte es sich schon herumgesprochen, das es kein vererbbares Gen dafür gibt. Auch nur der Versuch einer Erklärung, dass Kinder leicht durch Vorgelebtes lernen, also eine Verhaltensweise kopieren, und so eventuell zum Alkohol geführt werden, unterblieb.

Das dem ungeborenen Kind einer alkoholabhängigen Frau die Sucht der Frau nicht gerade zuträglich ist, wusste ich auch vor der Sendung. Dass das Kind dann nicht unbedingt als Alkoholiker zur Welt kommt, fand ich äußerst beruhigend. Das dieses Kind aber mit der Geburt den ersten Entzug durchlebt, danach trotz späterem mäßigen Alkoholgenuss nicht automatisch „Rückfällig" wird (vielleicht, weil es das Verhaltensmuster Trinken und den Erinnerungseffekt nicht hat/kennt?) wurde nicht angesprochen.

Toll fand ich, dass man Dophamin (oÄ) als Botenstoff für Glückshormone eine Beachtung schenkte, doch wer sich nicht gerade mit fMRT und dem ventralen Putamen beschäftigt konnte sich am Schluss aussuchen zu welcher Gruppe oder auch nicht oder eventuell .... er gehört.

(Stichwort fMRT: http://www.aerztezeitung.de/, sehr interessant!)

Das es der Berliner Arzt Dr. Jörg Gölz auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin in Berlin bedauerte, dass es keine einheitlichen Kriterien und Therapieleitlinien gibt, dies auf mangelnde aussagekräftige wissenschaftliche Studien zurückführt, zeigt schon die ganze Miesere dieser uns betreffenden Sucht. Zur Zeit, glaube ich, gibt es für Hilfesuchende wirklich nur einen guten Weg, sich vorab einmal von Fachleuten beraten zu lassen - geht zu einer Selbsthilfegruppe und lernt erst mal Eure Sucht zu verstehen und zu akzeptierten! - von uns, den betroffenen trockenen Alkoholikern!

Uff- Dampf ist abgelassen, Euer KDA

 

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Letzte Änderung:   Samstag, 13. Januar 2007

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